Zu Besuch bei Roland Östreich, dem zuständingen Gebäudemanager für den Steintorcampus, spürt man das Unverständnis und die Wut. Mehr oder weniger alleine steht er gegenüber den mit Graffiti besprühten Wänden.
Welche Haltung hat die Universität am Steintor-Campus zu Graffiti?
Ich muss sagen, das ist ein schwieriges Thema. Weil, gewünscht ist es vom Eigentümer bzw. Nutzer nicht, das ist klar. Aber vermeiden werden wir das wahrscheinlich auch nicht können. Zumindest habe ich das — ich bin ja jetzt 5 Jahre auf dem Steintor-Campus — nicht hinbekommen. Das einzige was ich mache: ich mache einen Auftrag fertig für eine Reinigungsfirma. Die kommen dann hier her und schicken uns ein Angebot. Dann bezahlen wir schön fleißig, ich lass ich es absprühen und zwei Wochen später ist es wieder da.
Das ist natürlich ärgerlich.
Ja. Ganz schlimm war es letztes Jahr mit der sogenannten Identitären Bewegung. Heute werden die ja vom Bundesverfassungssschutz als rechtsextrem eingestuft. Letztes Jahr sollte hier ja ein Sommerfest von der Stadt stattfinden, in Zusammenarbeit mit der Universität. Wir haben uns natürlich riesig gefreut den Campus für das Sommerfest zur Verfügung zu stellen. Und was machen die Leute von der rechten Szene? Sie fangen an irgendwelche Sprüche ranzusprühen: Blutrecht. Was weiß ich was das sein soll, irgend so ein Lateinscheiß. Dann habe ich es wegmachen lassen. Ein Tag später war es wieder da, über Nacht. Ich weiß nicht wie sie das geschafft haben. Wir haben ein Wachschutz hier. Begeisterung schreie ich da nicht gerade aus.
Dann kam die Stadt, der Kanzler, der wollte vor dem Sommerfest natürlich ein schönes, sauberes Bild haben. Ich hab ihm gleich gesagt: „Wenn sie das wegsprühen lassen, dauert es keine zwei Tage, dann ist es wieder da. Die Rechtsextremen haben sich dann wieder schöne Flecken gesucht und rot bepinselt.
Das Sommerfest hat ja schließlich gar nicht am Campus stattgefunden.
Das war das Dumme, worüber wir uns alle ein bisschen geärgert haben. Ein Tag vor dem Sommerfest-Beginn, die große Bühne war schon aufgebaut, mit der Stadtverwaltung alles abgeklärt, kriegen wir mittags um halb Eins einen Anruf vom Oberbürgermeister, der uns die Absage erteilt, weil die drüben Sommerstraßenfest machen würden. Aus Sicherheitsgründen würde das Fest auf den Markt verlegt. Die Uni war natürlich pappensatt. Logisch, das hat uns natürlich nicht gerade erfreut. Das Dumme war, dass es keine Absprache gab. Herrlich. Die waren weg und am nächsten Tag komme ich in der Frühe hier hin. Da steht hier eine Hundertschaft von Polizisten mit Hunden. Das ganze Viertel war hermetisch abgeriegelt.
Die Gegendemonstrant*innen haben sich nicht verlegen lassen.
Die Demo war da. Die haben denen keinen Platz gelassen. Da muss ich sagen, da bin ich echt begeistert von den jungen Leuten, dass die sich sich stark gemacht haben. Seit dem ist es aus dem Haus auch ruhig. Ich hab da keinen Knatsch. Entweder arbeiten die im Hintergrund oder sonst was. Auf jeden fall war dann mit den Graffiti Schluss.
Ich weiß auch nicht warum die das machen. Es gibt dafür keine Erklärung. Die Universität steht halt in einem schlechten Licht dar. Was heißt schlechtes Licht? Wir haben einfach keine Machthabe. Außer Anzeigen zu erstatten können wir nichts machen. Außer den Graffiti-Dienst bestellen, der die Reinigung für uns vornimmt und mit hohen Kosten verbunden ist, die die Universität tragen muss. Es ist schon ein Leid, aber so einfach lassen wir uns das nicht gefallen. Wir müssen was tun.
Wie kann man sich die Kosten denn vorstellen?
Die Verwaltungskoten sind gewaltig hoch. Wenn ich das Haus frei machen lasse mit ner Reinigung und wieder Farbe drauf, da reicht ein Tausender nicht aus. Lassen Sie mich nicht lügen. Ich hab das letztens wegmachen lassen, die waren vier oder fünf mal da. Zum Sommerfest, damit sie die Schrift wegmachen lassen. Paar Tausend Euro kommen da zusammen. Fünfe, sechse sind das schon. Und das muss ja irgendwo her kommen. Wer zahlt das?
Wir haben mal bei der Polizei Anzeigen erstattet. Mittlerweile liegen von mir vier oder fünf Anzeigen bei der Kripo. Jetzt kriegte ich einen Anruf aus der Bibliothek, da ist ein Brief aus der Staatsanwaltschaft angekommen, dass wegen Nicht-Ermittlung der Personen das Verfahren aus Mangeln an Beweisen eingestellt wurde. Was soll ich jetzt damit anfangen? Ich mache keine Anzeigen mehr. Es bringt nichts. Wenn sie niemanden inflagranti erwischen, dann haben sie schlechte Karten. Das ist bei der Verschmutzung, beim Vandalismus genau das selbe. Noch dazu muss ich sagen, dass der Rechtsstaat uns so eingeschränkt hat, dass ich keine Machthabe mehr habe. Kann doch jeder machen was er will. Obwohl ich das Hausrecht vertreten dürfte. Wenn ich jemanden auffordern würde, entweder kommen einem die Leute dumm oder es gibt irgendwelche Meinungsverschiedenheiten untereinander. Also ich hab schon schönere Zeiten erlebt.
Und was macht das mit Ihnen?
Wenn ich das so sehe frage ich mich, was in den Köpfen los ist. Wie die Leute hier mit dem öffentlichen Eigentum so umgehen, so achtlos. Ich muss da mal so wirklich deutlich sagen.
Wenn sie wenigstens mal ein hübsches Bild malen würden, wo man sagen würde: „Wow, das sieht aber schick aus.“ Ich verurteile Graffiti ja nicht von vornherein. Aber es sollte ein Sinn haben.
Ich komm aus der Südstadt, Richtung Vogelweide. Der alte Zustand von der Edeka-Kaufhalle, bevor sie die neu gebaut haben, da haben sie ein wunderschönes Bild drauf gemalt. Das hat mir sehr gut gefallen.
Ist das eine Option für die Universität?
Ich hatte mit dem Kanzler schonmal darüber gesprochen, wie wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Ich hatte junge Leute da, die sich mit Graffiti auskennen. Die sagten, wir machen vernünftige Bilder dran, irgendwas von der Universität, was schönes. Dann haben die so einen gewissen Schutz, weil da darf dann niemand drauf schreiben. Das hat sich verlaufen. Wenn Sie sich das Trafo-Häuschen anschauen, das haben Sie wahrscheinlich schon gesehen. Ich hab gesagt, du reagierst mal nicht. Du lässt es. Ich hab das mal zwei Wochen ruhen lassen. Da sind ein zwei Krakeleien dazu gekommen, dann war Ruhe. Dann sind die Bänke dran. Es ist nicht schön, aber wie soll die Universität sich verhalten. Soll sie sagen ich stell ein Wachposten, der da die ganze Nacht rumsteht, und schaut ob er jemanden von den Leuten erwischen kann.
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